Working Mom Plus

Darf ich einmal danke sagen? Für das Elterngeld? Mich hat die regelmäßige Zahlung sehr entspannt.

Wie war das eigentlich vorher? Da musste manche Frau den Mann lieb bitten, ihr ein bisschen Geld für die Einkäufe zu geben:
Als meine Eltern sich vor über 30 Jahren ein Haus kauften, wohnte da vorher dieser Lehrer drin (Erdkunde!) mit seiner Frau, die sich um die Tochter kümmerte. Von ihm bekam sie Taschengeld. Ich spreche von der Ehefrau. Wie ein Kind von seinen Eltern. Und die Nachbarn flüsterten, dass es Ärger gab, wenn die Frau irgendetwas Falsches oder zu Teures gekauft hatte, oder zum falschen Zeitpunkt nach mehr „Taschengeld“ fragte.
„Nein! Du kriegst keine neue Hose! Mach eine Diät!“ sagte der böse, geizige Erdkundelehrer dann.
Entschuldigung, die Phantasie geht mit mir durch…
Aber überliefert ist, dass das Haus wegen der Scheidung verkauft wurde. (Und nicht, damit der Mann der Frau vom Gewinn endlich mehr Taschengeld auszahlen konnte. Schade.)
Ich kann nur sagen: Gute (Ent-)Scheidung, arme unbekannte Lehrersfrau!

Wenn ich mir vorstelle, dass das Elterngeld erst im Jahr 2007 eingeführt wurde, ist das eine ganz schön lange Zeit, in der sich viele Frauen vom Mann abhängig machen mussten.
Davor gab es noch Erziehungsgeld, höchstens 450 Euro im Monat. Wenn die Frau Hausfrau wurde, bzw. blieb. Oder es gab 300 Euro. Die Frau durfte dann höchstens noch Teilzeit arbeiten. Oder der Mann.
Haha. Guter Witz, nicht? Alleinerziehende wurden durch das Erziehungsgeld benachteiligt und diskriminiert.
In der Schweiz gibt es übrigens immer noch kein Elterngeld. Aber auch keine ausreichende Versorgung mit Kitaplätzen. Das heißt, Mama bleibt zuhause, Papa zahlt. Oder gibt ein Taschengeld?
Das Wahlrecht für Frauen wurde dort auch erst 1971 eingeführt… Honi soit, qui mal y pense.

Kann sich jemand noch an den Adenauer-Spruch erinnern? „Kinder kriegen die Leute immer!“ sagte er, der siebenfache Vater. Damals zeichnete sich ab, dass die Lebenserwartung – somit die Dauer des Rentenbezugs und die Last für die arbeitende Bevölkerung – enorm ansteigen würde. Er tat aber nichts, um Familien zu entlasten. Insgesamt hat Adenauer 24 Enkel, über 50 Urenkel und inzwischen fast 20 Ur-Ur-Enkel. Die sich hoffentlich darüber freuen werden, dass sie mit dem Elterngeld und seit Juli 2015 dem Elterngeld Plus flexiblere Möglichkeiten haben, Erziehung und Beruf unter einen Hut zu bringen, unabhängig vom Geschlecht. Vielleicht hätte Uropa Konrad das heute auch gut gefunden. Denn sein Spruch mit den Leuten, die immer Kinder kriegen, hat sich zwar in seiner Familie bewahrheitet, sich in Deutschland aber als ziemlich falsch erwiesen. Die „Durchschnittsfrau“ bekam damals noch 2,3 Kinder. Und heute? 1,36 Kinder. Das ist demografisch gesehen ziemlich mickrig. Vielleicht gibt es dann in 30, 40 Jahren, wenn ich alt und hinfällig bin, super Hipster-Altenheime mit Elektrolounge-Ringelpiez, weil dann alle alt sind und die Nachfrage das Angebot regelt. Aber irgendjemand muss mir dann ein Fläschchen Bier zur Feier des Tages in mein Tässchen füllen. Jemand, der jünger ist und das noch kann – hübsche, 1,36 Altenpfleger… Hört sich wenig an. Vielleicht kann ja einer der zahlreichen Ur-Ur-Urenkel vom Adenauer… Aber die werden bestimmt alle lieber Anwalt.

Eine Politik mit Fokus auf Familienförderung und besserer Vereinbarung von Beruf und Kindern für Männer und Frauen ist also gesellschaftlich weiterhin nötig. Und Frau Schwesig, unsere Familienministerin, hat mit dem Elterngeld Plus nachgerüstet. Es ist jetzt nicht nur eine „Entgeldersatzleistung“, sondern eine Maßnahme, mit deren Hilfe sich Eltern beruflich und familiär besser aufteilen können. Und darüber freuen sich dann beide Elternteile. Alleinerziehende werden weniger benachteiligt.

Für mich als Freiberuflerin wäre das auch was gewesen. Als ich 2014 in Elternzeit ging, hätte ich mir gewünscht, es hätte die Möglichkeiten des ElterngeldPlus schon gegeben. Als Selbstständige kann ich immer einen Auftrag reinbekommen, auch wenn ich gerade mit Möhrenbrei bespuckt werde. Den dann abzusagen, wäre beruflich nachteilig. („Die rufen mich nie wieder an! Niiiie wieder!!!“ –  Typische Freiberufler-Angststörung.) Und schließlich schläft das Baby manchmal (ein Wunder!) und – stimmt ja! – hat einen netten Papa, der übernehmen kann. Aber dann hätte ich in diesen Monaten so viel verdient, dass mir das Elterngeld gestrichen worden wäre. Was habe ich letztes Jahr meine Elternzeitmonate herumgeschoben, um das zu vermeiden! Mehr Flexibilität hätte damals geholfen. Aber schon seit diesem Sommer konnten Eltern schon profitieren. Sollte ich also in der fernen Zukunft mit den Drillingen Tsching, Tschang und Tschong Fritzchen schwanger werden, werde ich glücklich die Möglichkeiten des ElterngeldPlus ausschöpfen.

Auf diesen Fotos seht ihr mich einige Wochen nach der Niederkunft. So sieht es nämlich aus, wenn man seine freien Jobs nicht vor der Geburt fertig bekommt. Die glückliche „working mom“ hier hat ein jämmerliches System entwickelt, stillend auf ihrem Rechner New York-Tipps für junge Damen zu tippen, während das nimmersatte Babylein Mamas Arm oder Schoß nicht einmal zum Schlafen verlassen wollte.
Ach, Schnee von gestern! Das Endprodukt dieser besonderen Arbeitsweise könnt ihr übrigens hier bestellen, ein Meisterwerk! Ich habe mir vom Vorschuss einen noch schöneren Sofabezug fürs Klippan gekauft. Luxus muss sein.

*Dieser Text entstand in Kooperation mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“.

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