Alles neu

Endlich mache ich, was ich seit 2011 machen wollte – ich arbeite an einem ganz neuen Portfolio. Zwar habe ich als Illustratorin dauernd neue Aufträge, allerdings ist da selten Platz für Experimente. Außerdem arbeite ich für Zeitungen und Zeitschriften. Die wollen einen ganz bestimmten Stil, möglichst plakativ, bisschen intellektuell, kein Problem, mache ich gerne. Aber insgeheim habe ich immer auch in eine andere Richtung geschielt. Ich dachte an Blümchenmuster. Jetzt sind es aber Holzfäller für den bärtigen Weihnachtsbaum geworden, Flaschenöffner für Flaschen, äh, Männer und Frauen, die sonst ihr Bier locker mit den Zähnen öffnen. Frühstücksbrettchen für den postmodernen Hipster, der seiner Yogalehrerin gerne seine Axtsammlung zeigen würde.
Weil ich eine alte „Like“-Zählerin bin, zähle ich natürlich Likes, auf Facebook, auf Instagram (a propos: https://www.instagram.com/julipieper/). Mehr social media-Krams habe ich gar nicht. Zum Mann habe ich neulich gesagt, „Mist, ich bin gar nicht auf Tinder!“ Habe aber tumblr gemeint… Peinlich. Wenn ich ein Foto von meiner Tochter poste (was ich aus Gründen der Privatsphäre jetzt nicht mehr mache), bekomme ich ein Like nach dem anderen! Hunderte! Wenn ich meine Lieblingsarbeit der Woche poste, naja. Zwölf Likes. Oh. Was nun? Babyfotografin werden? Nein. Gerade hat mir das Kundenmagazin einer deutschen Fluglinie eine Illustration abgekauft. Letzte Woche habe ich für eine Agentur gearbeitet. Zum zweiten Mal. Jetzt prokrasitiniere ich gerade die Korrekturarbeiten für das New York-Buch, das ich für den S. Fischer Verlag schreibe. Trotzdem: Zweifel, Zweifel, wo sind die 80 Likes, wo sind die zehn Aufträge, wo ist mein Handy.
Also was ich sagen wollte: Ich mag meine neuen Sachen total gerne. Ich mach genau da weiter. So. Jetzt dürft ihr das 80 Mal  liken.

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